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Tragödie auf der Rax: Das Unglück von 1896

Lange Zeit galten die Berge als bedrohlich, von ihnen kamen Gewitter, Lawinen und Hochwasser — Gefahren, denen man lieber auswich.
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die touristische Erschließung der Alpen. Vorträge, Reiseberichte und Bücher alpiner Vereine weckten die Begeisterung für das Gebirge, während neue Eisenbahnlinien die Anreise erleichterten.

Doch mit dem wachsenden Interesse stiegen auch die Unfallzahlen. Besonders die beliebten Wiener Ausflugsberge Rax und Schneeberg wurden immer wieder Schauplatz tragischer Ereignisse.

Was passierte im März 1896?

Die drei Wiener Touristen Josef Pfannl, Max Schottik und Fritz Waniek brachen Anfang März zu einer Tour auf die Rax auf. Trotz heftigen Schneesturms stiegen sie über den Reißtalersteig Richtung Lackenhoferhütte auf — dort kamen sie jedoch nie an.

Als Josef Pfannls Bruder tagelang nichts von den Männern hörte, wurde schließlich eine Suchaktion organisiert. Bis zum Anlauf der von ihm initiierten Such- bzw. Rettungsaktion vergingen aber Tage, da es noch keine ständige Einrichtung zur Hilfeleistung im Gebirge gab. Das schlechte Wetter und die enormen Schneemassen erschwerten die Rettung erheblich. Schnell entstand der Verdacht, dass die drei von einer Lawine erfasst worden waren.

Mehrere Suchtrupps machten sich auf den Weg, es wurde von verschiedenen Seiten zum Unglücksort aufgestiegen.

Unter ihnen befand sich auch der bekannte Mürzzuschlager Skipionier Toni Schruf. Dank günstiger Schneeverhältnisse konnten die Einsatzkräfte die Unglücksstelle erreichen. Schruf fuhr anschließend auf Skiern nach Mürzzuschlag, um weitere Helfer mit Schaufeln und Fackeln zu organisieren — sogar nachts wurde weitergesucht.

Am 11. März fand man schließlich die Verünglückten - Josef Pfannl und kurz darauf Fritz Waniek. Max Schottik konnte erst einige Tage später geborgen werden. Die Beisetzungen fanden unter großer Anteilnahme statt: Pfannl wurde in der Prein an der Rax begraben, Waniek in Kapellen an der Mürz und Schottik schließlich am Friedhof von Mürzzuschlag.

Das Lawinenunglück von 1896 zählt zu den frühen Alpintragödien der Rax und zeigt eindrucksvoll, wie gefährlich und unberechenbar Bergtouren sein können.

Durch dieses Unglück aufgerüttelt, diskutierten die alpinen Vereine nun intensiv ihren Wunsch nach einem organisierten Rettungswesen. Am 22. Mai 1896 wurde schließlich auf besonderes Betreiben des Österreichischen Alpenclubs das „Alpine Rettungscomitee“ gegründet.

Toni Schruf berichtet über dieses Unglück im Tourenbuch des Hotel Post: 

 

"Mittwoch, den 11. März. Ausfahrt zum Brandl in Raxen (mit Chlupaty und Nagel).
Zur Auffindung der von einer Schnee-Lawine verschütteten Touristen. Unsere Rettungs-Expedition traf am Gscheid mit den Mitgliedern des Oesterr. Ski-Verein zusammen, die unter der Führung des Herrn Bratmann zum gleichen Zwecke ausgezogen waren. Man begab sich alsdann über Brandl, Kogler gegen die Reissthalerhütte, um von dort gemeinsam mit den Raxführern aus Prein, die Lawine aufzusuchen. Der Schnee war der Ski-Expedition sehr günstig u. die Unglücksstelle wurde ohne Schwierigkeiten erreicht".

Eine Entscheidung, von der wir heute noch profitieren:
130 Jahre Bergrettung

Seit dem tragischen Lawinenunglück auf der Rax im Jahr 1896 hat sich vieles verändert. Während damals noch keine organisierte Hilfe im Gebirge existierte und Rettungsaktionen oft improvisiert werden mussten, ist der österreichische Bergrettungsdienst heute professionell und flächendeckend aufgestellt.

Rund 11.800 Bergretter und etwa 1.000 Bergretterinnen stehen ehrenamtlich derzeit in mehr als 290 Ortsstellen bereit, um Menschen in alpinen Notlagen zu helfen. Moderne Ausrüstung, Ausbildung und Technik ermöglichen heute schnelle und koordinierte Einsätze — selbst unter schwierigsten Bedingungen.

Doch trotz aller technischen Entwicklungen und Veränderungen ist eines bis heute gleich geblieben: der besondere Reiz der Berge. Sie fordern Respekt, lehren Ehrfurcht und Verzicht — und erinnern zugleich an Werte wie Kameradschaft und Hilfsbereitschaft.

Denn gerade im Gebirge zeigt sich bis heute, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung sind.

Erfahre mehr im WinterSportMuseum

 

 

 

 

 

 

Wie begann eigentlich die organisierte Bergrettung? Welche Ausrüstung verwendeten die ersten Retter im alpinen Gelände? Und wie funktioniert eine Bergrettung heute? Antworten auf diese spannenden Fragen finden Besucher im WinterSportMuseum. Die Ausstellung beherbergt zahlreiche historische Objekte, Dokumente, Fotos, Bücher und Gerätschaften, die die Entwicklung der Bergrettung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart eindrucksvoll zeigen.
Übrigens: Kennst du den Notruf der Bergrettung?

Text: Mag. Hannes Nothnagl

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